Projekte

Neue Recherche, neue Services

swisscovery, swisscollections und die Zurich Open Platform

Mit dem Jahreswechsel 2020/2021 erlebte die Schweizer Bibliothekslandschaft einen Umbruch: Die Plattform swisscovery bietet den Nutzenden seither einen gesamtschweizerischen Suchraum sowie nationale Services aus einer Hand. Swisscollections ermöglicht Forschenden hoch differenzierte Abfragen in den Spezialsammlungen von 14 Schweizer Institutionen. Und auf der Zurich Open Platform (ZOP) stellt die ZB Turicensia im Open Access zur Verfügung.

Mit der Rechercheplattform swisscovery sind die umfangreichen und vielseitigen Bestände von über 470 wissenschaftlichen Bibliotheken der Schweiz auffindbar und zugänglich. Insgesamt handelt es sich um über 40 Millionen Bücher, Zeitschriften, Zeitungen, audiovisuelle Medien, Bilddokumente, Handschriften, Kartenmaterialien oder Musiknoten sowie mehrere Milliarden elektronische Artikel und viele weitere Datenquellen – die fast 7 Millionen Medien und Dokumente der ZB sind natürlich auch darunter.

Wie die NZZ am Sonntag Anfang Dezember 2020 kurz vor der Einführung von swisscovery titelte, ist die Schweiz damit zu einer einzigen Bibliothek geworden. Dies bedeutet nicht nur, dass die Bestände dieser Bibliotheken über eine Rechercheplattform zugänglich sind (das war auch vor swisscovery bereits mit Swissbib möglich). Der tatsächliche Gewinn des neuen Bibliotheksnetzwerks swisscovery liegt in der Vereinheitlichung und Zusammenführung von Dienstleistungen und die bibliotheksübergreifende Nutzung verschiedener Services – ein Novum und somit eigentlich ein Meilenstein in der Schweizer Bibliothekslandschaft.

Doch die Resonanz der Nutzenden auf swisscovery war sehr ernüchternd und die Einführung von viel und mitunter auch recht harscher Kritik begleitet: «umständlich», «ausufernd aufgebaut», «unübersichtlich», «funktional unausgereift», «nicht selbsterklärend», «mangelhaft», «Recherche ein Ding der Unmöglichkeit das Gewünschte zu finden», «das neue System ein sehr durchwachsener Erfolg mit Tendenz zum Rückschritt» waren vorherrschende Rückmeldungen. Hinzu kamen etliche verärgerte Rückmeldungen zu den mit swisscovery verbundenen Services, die häufig auch auf viel Unverständnis stiessen. «Wer sucht, der findet nichts mehr» lautete schliesslich auch die Überschrift eines Presseartikels im April 2021, der die Mängel des Systems und die Unzufriedenheit der journalistisch aufgriff.

Hinter den Kulissen schmerzte es, dass es uns nicht gelungen ist, mit swisscovery ein Produkt zu bieten, das unsere Nutzerinnen und Nutzer von Anbeginn überzeugt und begeistert. Mit viel Engagement und Herzblut haben viele Kolleginnen und Kollegen in den Bibliotheken und bei SLSP ihren Beitrag in diesem gigantischen Projekt geleistet – und tun es auch jetzt noch, um dort, wo es harzt, nachzubessern und weiterzuentwickeln. Mit verschiedenen
Anpassungen im Layout, mit der Behebung von Systemfehlern und der Einführung neuer Funktionen haben wir fortwährend die Bedienbarkeit von swisscovery verbessert. Weiterhin konnten wir der anfänglichen fehlenden Transparenz über allfällige Gebühren bei den Lieferservices durch entsprechend platzierte Informationen etwas entgegenwirken. Und auch 2022 werden wir mit Hochdruck an neuen Funktionen und weiteren Optimierungen arbeiten, wie zum Beispiel an der Verschlankung des Bestellprozesses oder auch weiterhin am Design, um unseren Nutzerinnen und Nutzern ein zufriedenstellendes, unterstützendes und intuitives Recherche- und Zugangssystem zu bieten.

Als Ergänzung zu swisscovery richtet sich swisscollections an ein engeres wissenschaftliches Publikum, für das die Erschliessungsdaten von Bibliotheken nicht nur dem Zugang zum Bestand dienen, sondern selber forschungsrelevante Informationen darstellen. Swisscollections führt Archivmaterial (inkl. Nachlässe), Bildmaterial, Alte Drucke und Rara, Dokumentensammlungen, Filmmaterial, Handschriften, Karten, Musikaufnahmen, Musiknoten und Textaufnahmen aus der ZB und 13 weiteren Schweizer Bibliotheken und Archiven für die Recherche zusammen. Dazu kommen drei Kantonsbibliographien, darunter die Zürcher Bibliographie. Zu den Stärken von swisscollections gehören spezifische Indices, die etwa einer Buchwissenschaftlerin die Suche nach einem frühneuzeitlichen Drucker oder einem Musikwissenschaftler die gezielte Recherche nach einer Interpretin erlauben. Erwähnenswert ist ausserdem die Möglichkeit, in Archivtektoniken und Bibliographiesystematiken zu navigieren. Die ZB engagiert sich im Trägerverein von swisscollections und ihre Mitarbeitenden waren massgeblich an der Konzeption der neuen Rechercheplattform beteiligt.

Die Zurich Open Platform (ZOP) schliesst eine Lücke bei der Präsentation von digitalem Zürcher Kulturgut. Auf der Plattform, die das Turicensia-Team gemeinsam mit einer Entwicklerfirma aufgebaut hat, macht die ZB digitale Neuerscheinungen und digitalisierte Bestände aus dem 19. und 20. Jahrhundert im Open Access zugänglich. ZOP ergänzt die kooperativen nationalen Plattformen für Alte Drucke (e-rara), handschriftliche Quellen (e-manuscripta) und Zeitungen (e-newspaperarchives) und stellt sicher, dass die ZB ihre Rolle für das historische und kulturelle Gedächtnis des Kantons vollumfänglich wahrnehmen kann.

In ihrer Gesamtheit verbessern die neuen Plattformen den Zugang zu den Beständen der ZB deutlich, indem sie unterschiedlichen Zielgruppen auf ihre spezifischen Bedürfnisse zugeschnittene Recherchemöglichkeiten eröffnen und differenzierte Services anbieten.

Dr. Katharina Bruns
Chefbibliothekarin Benutzung, Informationskompetenzvermittlung / Digitale Dienste / Entwicklung

Dr. Stefan Wiederkehr
Chefbibliothekar Spezialsammlungen / Digitalisierung