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«Das Herz wogt höher.»

Erster Meilenstein des NZZ-Digitalisierungsprojektes mit der Freischaltung von 260’000 Seiten erreicht.

Die erste Ausgabe der neuen Zürcher Zeitung erschien mit einem Umfang von vier Seiten am 12. Januar 1780. «Dass alle Anfänge schwer seyen», heisst es in dem kurzen Artikel der Herausgeber, der sich an die Leserschaft richtete. Man sei bemüht, die Nachrichten über alle «Weltbegebenheiten» so schnell wie möglich abzudrucken und zudem sei man bestrebt, «von einer Woche bis zur andern unsre Einrichtung [zu] verbessern» (NZZ, 12.1.1780, S. 1). In der Summe lesen sich die Ausführungen der Herausgeber eher wie eine Entschuldigung, denn wie eine selbstbewusste Marktpositionierung. Es macht den Anschein, als hätten die damaligen Verleger ihrer neuen «politische[n] Zeitung» selbst keine allzu lange Lebensdauer prognostiziert, sondern die Publikation eher als eine Art von publizistischem Versuch angesehen.

Was auf etwas unsichereren und wackligen Beinen ins Leben trat, gewann mit den Jahren einen immer sichereren Tritt und ist bis heute, wenn vielleicht auch nicht mehr ganz so kraftvoll wie noch vor Jahrzehnten, nach wie vor gut unterwegs. Bis heute sind über zwei Millionen Zeitungsseiten erschienen – seit 2019 werden diese von der ZB digitalisiert und zur online-Publikation auf e-newspaperarchives.ch vorbereitet.

Digitalisierung einer NZZ Ausgabe im DigiZ (Bild: ZB Zürich, C. Schmid)

Seit Oktober 2021 sind die Jahre 1780-1914 frei zugänglich

Im Oktober 2021 haben wir einen ersten Projektmeilenstein erreicht: Eine erste Tranche von rund 260’000 Seiten, welche die Jahrgänge 1780 bis 1914 enthält, wurde auf der von der Schweizerischen Nationalbibliothek betriebenen Plattform e-newspaperarchives.ch freigeschaltet. Abgesehen von einer Moving Wall von 25 Jahren sind dort alle früheren Jahrgänge frei zugänglich. Es können ganze Zeitungsseiten oder auch nur einzelne Artikel für den eigenen Gebrauch heruntergeladen oder ausgedruckt werden. Im Volltext ist die gesamte NZZ bis heute nach jedem beliebigen Stichwort durchsuchbar. Mit der Freischaltung wurde die erste Etappe des Digitalisierungsprojektes erreicht, das 2022 mit der Publikation der weiteren Jahrgänge abgeschlossen sein wird. Finanziert wird das Kooperationsprojekt vom Lotteriefonds des Kantons Zürich (jetzt: Gemeinnütziger Fonds), von der ZB, der Nationalbibliothek und der NZZ.

Neue Zürcher Zeitung, Nummer 1, 12. Januar 1780
Neue Zürcher Zeitung, Nummer 1, 12. Januar 1780

Digitalisierung macht Schweizer Kulturgut auf einfache Weise erfahrbar.

Die Digitalisierung lässt die Vielfalt und den historischen Wechsel der Themen mit wenigen Klicks offensichtlich werden. Sie verdeutlicht den Wert der NZZ als einem wesentlichen Schweizer Kulturgut, das die Geschichte der Schweiz medial begleitete und prägte. «Das Herz wogt höher», hiess es zum Beispiel in der NZZ am 13. September 1848 über ein wichtiges politisches Ereignis der Schweiz, über die Gründung des modernen Schweizer Bundesstaates. Andere Ausgaben enthalten mediengeschichtlich Spannendes: Am 17. Juli 1902 druckte die NZZ erstmals einen Artikel mit einem Bild ab. Es zeigt den Glockenturm des Markusdoms von Venedig, der wenige Tage zuvor eingestürzt war. Im Unterschied zu heutigen Gepflogenheiten der Berichterstattung wurde jedoch nicht ein Bild der Unglücksstätte gezeigt, sondern der noch stehende Campanile. Diese und noch viele weitere Entdeckungen kann man dank der Digitalisierung und online-Publikation nun leicht machen: Der historischen Neugierde sind keine Schranken mehr gesetzt!

PD Dr. Jesko Reiling
Leiter Digitale Produktion und Plattformen