Übergang von der alten zur neuen Strategie
Mit dem Jahr 2024 endete die vergangene Strategieperiode der Zentralbibliothek Zürich (ZB), in der die ZB ihr Angebot und ihre Organisation mit dem Fokus auf drei Schwerpunkten weiterentwickelt hat: die Stärkung der digitalen Kompetenzen ihrer Nutzenden («Digital Literacy»), die kontinuierliche Verbesserung des Nutzererlebnisses beim Zugang zu Informationsressourcen und bei der Nutzung des physischen Raums Bibliothek (unter dem Stichwort «User Experience») sowie der Ausbau der Rolle der ZB als Partnerin der Forschung.
Im Folgenden sollen einige Schlaglichter wichtige Ergebnisse und Entwicklungen aus der Strategieumsetzung illustrieren. Dabei bedeutet der Rückblick keinesfalls einen Abschluss, denn in vielen Bereichen wurden wichtige Grundsteine gelegt, die in der aktuellen Strategie weiterverfolgt werden.
Drei Schwerpunkte im Fokus
Das erste strategische Fokusthema, Digital Literacy, steht für die Fähigkeit der Nutzenden im Umgang mit Information und Wissen in einer digitalen Welt. Um diese Kompetenzen aktiv zu stärken, hat die ZB aktuelle Themen wie Künstliche Intelligenz und Fake News zu einem festen Bestandteil ihres Vermittlungsangebots gemacht: von öffentlichen Workshops für alle Interessierten, über Angebote für Schulen bis hin zu Kursen und Coffee Lectures für Studierende und Forschende. Ein neu eingerichtetes, öffentliches Digitalstudio schlägt zudem die Brücke zwischen alten und neuen Technologien und lädt zum Digitalisieren analoger Medien ein.
Im zweiten strategischen Schwerpunkt, User Experience, standen zwei wesentliche Faktoren für das Nutzererlebnis in einer Bibliothek im Fokus: der vereinfachte und beschleunigte Zugang zu Informationen und die Weiterentwicklung des öffentlichen Raums Bibliothek.
Damit die Nutzenden Informationsressourcen einfacher auffinden, stand und steht die kontinuierliche Verbesserung der Benutzerfreundlichkeit der Rechercheplattform swisscovery UB und ZB im Zentrum. Damit die Nutzenden die Medien auch schneller erhalten, arbeitete und arbeitet die ZB beständig an einer Optimierung ihrer Abläufe von der Auswahl bis zur Bereitstellung. Und indem kooperative Kurierdienstleistungen weiter ausgebaut wurden, kommen Nutzende nicht nur schneller, sondern neu auch an die Bestände von noch mehr Bibliotheken.
Für die Weiterentwicklung des öffentlichen Raums in der ZB wurden und werden im Rahmen der laufenden Sanierung des Altbaus die Lesesäle der Spezialsammlungen noch attraktiver gestaltet und zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen. Zudem wurde ein Raumkonzept für die zukünftige Gestaltung und Funktion der öffentlichen Lesesäle und Räumlichkeiten entwickelt. Deren klassische Nutzung als Lernort möchte die ZB nach der laufenden Sanierung erweitern, um für die Öffentlichkeit einen Ort der Begegnung, des Austauschs, der Zusammenarbeit und der Kultur im Zentrum der Stadt zu schaffen.
Übergeordnetes Ziel des dritten Fokusthemas, ZB als Partnerin der Forschung, war es, die ZB gegenüber der Universität Zürich sowie national und international als Forschungspartnerin zu positionieren und ein relevantes Portfolio an Forschungsservices zu bieten. So wurden z.B. die vielfältigen vorhandenen Expertisen in neuen Organisationsformen gebündelt und durch neue Stellenprofile das Kompetenzspektrum erweitert. Die ZB investierte gezielt in die Bereitstellung von Daten für die Forschung und erweiterte damit auch die Präsenz ihrer Sammlungen auf internationalen Plattformen. Durch die Entwicklung neuer Tools und Infrastrukturen ermöglichte die ZB Forschenden neue Zugänge und Nutzungsmöglichkeiten ihrer Daten und Bestände. Auch die Präsenz von Mitarbeitenden der ZB in der Forschung, beispielsweise durch eigene Publikationen und Vorträge, wurde gezielt gefördert. Schliesslich wurde mit Citizen Science ein ganz neues Tätigkeitsfeld für die ZB etabliert, in dem Nutzende ihr Wissen der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen und in die Forschung einbringen können. Auf all diesen Massnahmen baut die ZB in dieser Strategieperiode auf und verfolgt sie weiter.
Ein starkes Fundament für Wandel und Zusammenarbeit
Über alle inhaltlichen Schwerpunkte hinweg braucht eine zukunftsfähige Bibliothek im Wandel ein tragfähiges Fundament: So hat die ZB eine systematische Kundenforschung aufgebaut, um die Bedürfnisse und Erfahrungen ihrer Nutzenden zu kennen. In einem partizipativen Kulturentwicklungsprozess wurde zudem begonnen, mit allen Mitarbeitenden die Organisationskultur bewusst zu reflektieren und aktiv weiterzuentwickeln.
Nicht zuletzt war die vergangene Strategieperiode geprägt von dem Aufbau und Start der Universitätsbibliothek (UB) an der Universität Zürich. Von Anfang an war die ZB involviert und arbeitete Hand in Hand mit der UB an der geteilten Vision eines gemeinsamen Bibliotheksangebots für die Angehörigen der Universität. Diese Partnerschaft ist inzwischen gelebter Alltag: In gemeinsamen Prozessen, Projekten und Infrastrukturen sorgen UB und ZB für ein optimales Angebot bei effizientem Ressourceneinsatz. Durch die aktuell gültige, gemeinsame Strategie für das Gesamtsystem UB und ZB festigen beide Bibliotheken ihre Partnerschaft langfristig und nachhaltig.
Somit ist die Brücke von der alten zur neuen Strategie geschlagen, denn das Jahr 2024 war nicht nur das letzte Jahr der vergangenen Strategieperiode der ZB, sondern gleichzeitig das erste Jahr der gemeinsamen Strategie der UB und ZB. Dabei griffen die Strategien nicht nur zeitlich ineinander: Wichtige Themen und Handlungslinien werden in der neuen Strategie weitergeführt und ausgebaut.
Christoph Meyer
Vizedirektor & Direktor ad interim
Verena Klein
Mitarbeiterin Innovation, Projekte & Portfolio sowie Bestandsentwicklung und Liaison Services