Von Blueberry Nights bis Bollywood: Irene Genhart und der audiovisuelle Bestand
Irene Genhart erweitert seit vielen Jahren den Bestand audiovisueller Medien an der Zentralbibliothek Zürich (ZB). Am Anfang war der Weg steinig für diese «neuen» Medien. Heute hat der Bereich seinen akzeptierten Platz.

An Irenes Arbeitsplatz in der ZB hängt ein Kinoplakat von «King Kong» aus dem Jahr 1933 und eines des ersten Spielfilms von Isa Hesse-Rabinovitsch. Als eine Schweizer Filmregisseurin der ersten Stunde gefällt ihr Isa Hesse-Rabinovitsch genau so gut wie die Trickfilmfigur Betty Boop, die als Büste neben ihrem Pult steht.
Irene mag den Kontakt und Austausch mit Kund*innen und Berufskolleg*innen. Sie stammt aus einer grossen Familie, in der stets etwas los war, und engagierte sich in jungen Jahren in Luzern und Zürich in der Jugendarbeit. Sie war während acht Jahren Personalvertreterin und schätzt insbesondere jene Anlässe für Mitarbeitende, bei denen alle gemeinsam etwas unternehmen. In diesem Zusammenhang erwähnt sie das Hoffest zum 100-jährigen Bestehens der ZB, das sie 2017 organisierte hat. Das sei das Grösste gewesen, was sie bisher für die ZB gestemmt habe. Im Zuge dieses Jubiläums entstand auch ein Imagefilm dessen Produktion Irene betreut hat.
Irene Genhart ist mit kürzeren Unterbrüchen seit über 40 Jahren für die ZB tätig. In den 80er-Jahren – während ihrer Studienzeit in Zürich und Berlin – arbeitete sie Teilzeit in der Benutzung. Sie studierte Germanistik, Literaturkritik und Philosophie an der Universität Zürich. In Berlin ergänzte sie ihr Wissen mit dem Studium der Filmwissenschaften an der Freien Universität Berlin. Seit 1992 führt sie als wissenschaftliche Bibliothekarin an der ZB das Fachreferat Darstellende Künste, Film, Fotografie und Gender Studies. Letzteres wurde 1997 auf ihre Initiative hin eingeführt.
Seit 1992 führt sie als wissenschaftliche Bibliothekarin an der ZB das Fachreferat Darstellende Künste, Film, Fotografie und Gender Studies. Letzteres wurde 1997 auf ihre Initiative hin eingeführt.
Als Liaison Librarian – eine weitere Funktion von Irene Genhart – arbeitet sie eng mit der Bibliothek des Seminars für Filmwissenschaften der Universität Zürich zusammen. Auf dessen Antrag sammelt die Zentralbibliothek unter Irenes Leitung seit 2004 Schweizer Drehbücher. So entstand eine in ihrer Art schweizweit einmalige Sammlung.
Für eine breitere Öffentlichkeit attraktiv ist jedoch die Sammlung von Filmen an der ZB. Sie umfasst neben DVDs auch Blu-rays und vor allem: Zugang zu zahlreichen Streaming-Plattformen wie zum Beispiel Kanopy, Academic Video Online oder Filmfriend. Um die Nutzung dieses audiovisuellen Schatzes zu fördern, veranstaltet Irene regelmässig Einführungsveranstaltungen und Workshops für Nutzende und Bibliothekar*innen. Dabei liegt der Fokus auf den Streaming-Produkten.
Als Besonderheit des audiovisuellen Bestandes nennt Irene die grosse Sammlung an Bollywood-Filmen, die an der ZB aufbewahrt werden, weil einige teilweise in der Schweiz gedreht wurden. Auch gebe es eine grosse Community für Horror- und für Superhelden-Filme. Sie selbst mag Filme von Andrei Arsenjewitsch Tarkowski, «My Blueberry Nights» von Wong Kar-Wai oder von den älteren Filmen Fritz Langs Meisterwerk «Metropolis» von 1927. Die Werke sind in der ZB zu finden. Wer Hilfe benötigt, weiss jetzt, an wen sie oder er sich wenden kann.
Irene Genhart (63) lebt in Zürich und hat eine erwachsene Tochter. Am Filmfestival von Locarno leitete sie während 14 Jahren die «Semaine de la Critique» – eine eigenen Programmsektion, die betreut wird vom Schweizerischen Verband der Filmjournalistinnen und Filmjournalisten, dem auch Irene angehört.
Aufgezeichnet von Bettina Deggeller
Mitarbeiterin Marketing und Kommunikation