Projekte

Die Zentralbibliothek in der Rolle der Wissensvermittlerin

Die digitale Welt stellt hohe Anforderungen an unsere Informationskompetenz. Im letzten Jahr haben die Liaison Librarians der Zentralbibliothek Zürich (ZB) zahlreiche Projekte und Workshops an der Universität Zürich durchgeführt, um diese zu fördern. Der nachfolgende Bericht gibt einen Einblick in diese Tätigkeit und beleuchtet folgende drei Schwerpunkte: eine internationale Fachtagung, Künstliche Intelligenz in der Literaturrecherche und die Weiterentwicklung der Kursformate.

Kongress zu Informationskompetenz (IK) an der Universität Zürich: «Next Generation – IK für Forschende».
Von der ZB und UB organisierter Kongress zu Informationskompetenz (IK) an der Universität Zürich: «Next Generation – IK für Forschende».

Erstmals fand der Informationskompetenz-Tag Deutschland/Österreich/Schweiz (DACH) in der Schweiz statt: Im August 2024 trafen sich Fachleute aus zahlreichen Bibliotheken an der Universität Zürich. Der Kongress bot eine Bühne, um neue, innovative und kontroverse Ideen, Initiativen und Projekte zur Förderung von Informationskompetenz vorzustellen und zu diskutieren. Die Veranstaltung wurde von den Liaison Librarians der Zentralbibliothek (ZB) und der Universitätsbibliothek (UB) organisiert, die als fachverantwortliche wissenschaftliche Mitarbeitende den Austausch zwischen Bibliothek und Fachcommunity fördern.

Eine zentrale Frage lautete: Wie können Bibliotheksmitarbeitende darin unterstützen werden, forschungsrelevante Kompetenzen zu vermitteln?

Am diesjährigen Kongress lag der Schwerpunkt der Vorträge und Workshops auf der für wissenschaftliche Bibliotheken bedeutenden Zielgruppe der Forschenden. Denn der wissenschaftliche Nachwuchs hat spezifische Erwartungen und Bedürfnisse an Bibliotheken, die diese durch zielgruppenorientierte Dienstleistungen zu erfüllen versuchen. Eine zentrale Frage lautete: Wie können Bibliotheksmitarbeitende darin unterstützen werden, forschungsrelevante Kompetenzen zu vermitteln wie etwa die Fähigkeit zur effektiven Recherche, zur Datenanalyse oder zum Umgang mit wissenschaftlichen Publikationsstandards?

In einer inspirierenden Keynote betonte Oliver Renn (ETH) die Bedeutung von Informationskompetenz für erfolgreiches Forschen, während Noah Bubenhofer (UZH) in seinem spannenden Vortrag die Auswirkungen textgenerierender KI auf Wissenschaft und Bibliotheken erörterte. An Vorträgen und Workshops wurden unter anderem digitale Lernorte vorgestellt, für die wissenschaftliche Beratung erforderliche Kompetenzen thematisiert und strukturelle Aspekte diskutiert, die grosse, kooperierende Institutionen beschäftigen. Verpflegungspausen sorgten für den Austausch unter den Teilnehmenden, während diesen auch über Zukunftsszenarien nachgedacht wurde.

Schliesslich mündete die monatelange Vorbereitung in einer erfolgreichen Veranstaltung, die fachlich bereicherte, weitherum begeisterte und die Zusammenarbeit von ZB und UB in idealer Form zeigte.

Informationskompetenz-Tag, Apéro im UZH Lichthof (Foto: Benoît Pitteloud / UB Zürich).
Informationskompetenz-Tag, Apéro im UZH Lichthof (Foto: Benoît Pitteloud / UB Zürich).

Künstliche Intelligenz in der Rechercheberatung

Bei der Literaturrecherche wie auch beim Erstellen von wissenschaftlichen Texten kommen immer mehr KI-Tools zum Einsatz. Die Entwicklung von KI-Anwendungen für die Literaturrecherche schreitet rasch voran. Ein Tool jagt das andere, und was heute noch als top bewertet wird, kann morgen schon veraltet sein. Um für die Rechercheberatungen à jour zu bleiben und den Nutzenden die optimale Literatursuche zu ermöglichen, haben Liaison Librarians der ZB und der UB zu diesem Thema einen praxisnahen Workshop organsiert.

Welche KI-Tools sind hilfreich für die Recherche nach wissenschaftlicher Forschungsliteratur? Welche Tools unterstützen eine Literaturrecherche gezielt und effizient – und auf welche Datengrundlagen stützen sie sich? Welche Richtlinien und Empfehlungen geben die UZH-Institute bei der Verwendung von KI-Tools vor? Worauf müssen Studierende und Forschende achten, wenn sie KI-Hilfsmittel einsetzen?

Diesen Fragen sind die Liaison Librarians nachgegangen und haben gängige KI-Recherchetools durchleuchtet und ihre Vor- und Nachteile präsentiert und dokumentiert. Der Workshop war die passende Grundlage, um die Liaison Librarians in die Welt der KI-Anwendungen für die Literaturrecherche einzuführen, vorhandenes Wissen zu vertiefen und sich in der sich rasch entwickelnden KI-Landschaft zu orientieren. Wie die KI-Tools erweitert sich das Literaturrecherche-Beratungsangebot für Studierende und Forschende stetig.

KI-Schulung (Bild: ChatGPT, Mark Ittensohn / ZB Zürich).
KI-Schulung (Bild: ChatGPT, Mark Ittensohn / ZB Zürich).

Coffee Lectures – Wissensvermittlung im Kleinformat

Coffee Lectures sind unterhaltsame, auch als 'kleines Format' bekannte Veranstaltungen, die darauf abzielen, Informationskompetenz-Inhalte auf niederschwellige Weise an Studierende und Forschende zu vermitteln. Die Coffee-Lectures-Reihe ist das Ergebnis einer weiteren fruchtbaren Zusammenarbeit zwischen der Zentralbibliothek (ZB) und der Universitätsbibliothek (UB). Der Erfolg dieser Reihe ist den engagierten Mitarbeitenden aus verschiedenen Bereichen der Bibliotheken zu verdanken, darunter den Liaison Librarians, dem Open-Science-Team, den Spezialsammlungen, dem Nutzendendienst und der Webredaktion.

Die 30-minütigen Online-Inputs haben sich rasch zu einer wertvollen Alternative zu traditionellen Schulungen entwickelt. Sie passen nicht nur perfekt in den vollen Terminkalender von Studierenden und Forschenden, sondern bieten auch ein breites Spektrum an Themen, das sowohl grundlegende als auch spezialisierte Inhalte enthält und neue Perspektiven eröffnet. Der Austausch und die Vernetzung zwischen Teilnehmenden und Vortragenden sind feste Bestandteile dieser innovativen Reihe.

Die 30-minütigen Online-Inputs haben sich rasch zu einer wertvollen Alternative zu traditionellen Schulungen entwickelt.

Im Berichtsjahr haben die Liaison Librarians der ZB und der UB die Zielgruppen für die Coffee-Lectures genauer definiert. Seit dem Herbstsemester 2024 ist die Veranstaltungsreihe daher noch stärker auf die Bedürfnisse von Studierenden und Forschenden ausgerichtet. So richtet sich die Coffee-Lecture-Reihe «Smart durch die Abschlussarbeit» insbesondere an Masterstudierende, während das Format «Wissen finden und nutzen: Tools für deinen Uni-Alltag» vor allem Studienanfängerinnen und -anfängern den Einstieg erleichtert. Wer in der Forschung tätig ist, erhält in der Lecture-Reihe «Publizieren und Forschungsdaten managen» wertvolle Informationen zu Daten und zum Open-Access-Publizieren.

Die auf unterschiedliche Zielgruppen ausgerichteten Coffee Lectures vom Herbst 2024.
Die auf unterschiedliche Zielgruppen ausgerichteten Coffee Lectures vom Herbst 2024.

Mit Video-Podcast-Kurs ins Curriculum

Im Rahmen der Pflichtveranstaltung zum wissenschaftlichen Arbeiten für Bachelor-Studierende der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der UZH haben die Liaison Librarians der ZB und der UB mit einem Video-Podcast-Kurs neue Wege der Wissensvermittlung beschritten.

Der im Blended-Learning-Format gestaltete Kurs setzt sich aus Video-Podcasts, Präsenz-Vorlesungen sowie Übungen zusammen. Die Liaison Librarians erstellten kurze Video-Podcasts von etwa 10 Minuten zu verschiedenen Themen der Literatursuche – beispielsweise zum Thema «Wissenschaftliche Texte finden und bewerten». Ziel war es, den Studierenden die Grundlagen zu vermitteln, damit sie später eigenständig Recherchen für ihre Bachelor- oder Masterarbeiten durchführen können.

Die Produktion der Video-Podcasts stellte die Liaison Librarians vor verschiedene Herausforderungen. Das Handling der Soft- und Hardware für Tonaufnahmen mit synchronem Bild war Neuland. Der Einstieg in dieses Format ist nun gemacht und weitere Podcasts werden folgen.

Ausblick

Der 4. Informationskompetenz-Tag DACH, die Weiterentwicklung der Coffee Lectures, Künstliche Intelligenz in der Rechercheberatung, ein Video-Podcast-Kurs für Studierende – der Erfolg unserer Initiativen des vergangenen Jahres zeigt, wie wichtig innovative Formate für die Wissensvermittlung sind. Die positiven Erfahrungen bilden die Grundlage für zukünftige Projekte.

Die Förderung von Informationskompetenz bleibt längerfristig ein zentrales Anliegen, um Studierende, Forschende und das Stadt- und Kantonspublikum optimal auf die Herausforderungen der digitalen Welt vorzubereiten. Auch zukünftig tragen die Liaison Librarians mit neuen, kreativen Formaten und praxisnahen Angeboten aktiv dazu bei, die Informationskompetenz an der Universität Zürich weiterzuentwickeln.


Esther Baier-Kreuzer, Andrea Sommaruga und Daniel Stettler
Liaison Librarians