‘Good news or bad news’ jetzt auch digital! – Zeitungsdigitalisierung an der ZB
Zeitungen sind eine vielfältige und reichhaltige historische Quelle. Denn sie berichten über ein breites Spektrum von Themen – über Weltpolitik und Lokales, über Wirtschaft, Kultur, Sport und vieles mehr. Sie enthalten Bild und Text, neutrale Nachrichten und parteiische Kommentare, Werbung, Stelleninserate, Kleinanzeigen, Heiratsannoncen und Trauernachrichten. Besonders aufschlussreich sind lange Zeitreihen – im Fall der «Neuen Zürcher Zeitung» von 1780 bis zur Gegenwart – und die Entwicklung einzelner Rubriken im Laufe der Jahrzehnte.


Dicke Folianten im Magazin umzublättern und riesige Textmengen zu überfliegen, bildete lange ein praktisches Hindernis bei der Nutzung von historischen Zeitungen durch Forschende und die interessierte Öffentlichkeit. Dies galt erst recht für die Mikrofilm- und Mikrofichegeräte, deren Geruch und Schummerlicht einen nach kurzer Zeit schwindlig machten. Mit der Digitalisierung hat sich das komplett geändert. Heute können Zeitungen bequem in guter Qualität am Bildschirm durchgesehen und mit IT-gestützten modernen Analysemethoden als Massendaten ausgewertet werden.

2,5 Millionen Zeitungsseiten durch die Zentralbibliothek digitalisiert
Nicht zuletzt sind Zeitungen wichtige Medien für die öffentliche Meinungsbildung und gehören zum überlieferungswürdigen Kulturerbe. Die Zentralbibliothek Zürich (ZB) digitalisiert deshalb seit 2016 Zeitungstitel aus Stadt und Kanton Zürich, darunter die «Zürcherische Freitagszeitung», den «Zürcher Oberländer» oder die bereits erwähnte «Neue Zürcher Zeitung». Aktuell hat die ZB rund 235’000 Ausgaben von sieben Zeitungen mit ca. 2,5 Millionen Seiten auf der nationalen Plattform für digitalisierte Zeitungen e-newspaperarchives.ch veröffentlicht, wo sie in der Regel für nicht kommerzielle Zwecke frei zugänglich sind. Aktuell werden der «Tages Anzeiger», der Winterthurer «Landbote», der «Anzeiger von Uster» und die «Andelfinger Zeitung» für die digitale Präsentation vorbereitet; weitere Projekte sind in Planung.
Zeitungsdigitalisierung als Kooperation
Die ZB arbeitet bei der Digitalisierung von Zeitungen eng mit verschiedenen Projektpartnern zusammen. Auf der einen Seite sind dies der jeweilige Zeitungsverlag, ohne dessen Zustimmung aktuelle Titel erst gar nicht digitalisiert werden könnten, und die Schweizerische Nationalbibliothek (NB), welche die Plattform e-newspaperarchives.ch hostet. Beide Partner leisten neben der ZB auch einen finanziellen Beitrag zu den jeweiligen Vorhaben. Auf der anderen Seite erstellen externe Dienstleister nach vorgegebenen technischen Standards die Digitalisate und bereiten diese anschliessend inhaltlich auf. Bei der so genannten Segmentierung wird das Layout der Zeitung digital analysiert und die einzelnen Artikel voneinander virtuell ‘abgetrennt’, so dass diese einzeln von der Plattform heruntergeladen werden können.

Zudem wird auf allen Zeitungsseiten eine Optical Character Recognition (OCR) durchgeführt, so dass die Zeitungen im Volltext durchsucht werden können. Die durch hochtechnisierte Verfahren produzierten Daten werden vor der Publikation auf der Plattform sorgfältig durch die NB und die ZB auf die Einhaltung der notwendigen Standards überprüft.
Erfolgreiche Summer School der ZB zu «Digitalen Methoden der Zeitungsanalyse»
Dass in digitalisierten Zeitungen nicht nur gerne gestöbert wird, sondern diese mittlerweile auch intensiv wissenschaftlich erforscht werden, belegt die im September 2024 an der ZB durchgeführte Summer School zu «Digitalen Methoden der Zeitungsanalyse». Die Summer School, die Jesko Reiling, Leiter der Abteilung Digitale Produktion und Plattformen, zusammen mit drei deutschen und österreichischen Mitgliedern der AG «Zeitungen & Zeitschriften» des Verbandes Digital Humanities im deutschsprachigen Raum (DHd) organisiert hatte, erfreute sich so grosser Nachfrage, dass sie gleich zweimal hätte veranstaltet werden können. Während zweier Tage konnten die Teilnehmenden, die z.T. aus dem Ausland angereist waren, einen Einblick in Methoden des Text- und Data-Mining erhalten, und von Expertinnen und Experten erfahren, wie man grosse Zeitungscorpora mit digitalen Tools analysiert.

Als Dozierende wirkten Vertreter*innen der Österreichischen Nationalbibliothek (ÖNB) mit, die im ANNO-Portal (AustriaN Newspapers Online) über 28 Millionen Zeitungsseiten anbietet. Die Deutsche Nationalbibliothek (DNB), die im Deutschen Zeitungsportal rund 27 Millionen Zeitungsseiten präsentiert, gestaltete ebenfalls eine Unterrichtseinheit. Beiden Institutionen ist dies gemeinsam: Sie bieten nicht nur kostenlos eine Vielzahl an Zeitungstitel zum freien Durchstöbern an, sondern liefern darüber hinaus auch plattformspezifische Tools zur vertieften wissenschaftlichen Arbeit mit diesen Beständen. Im Falle der ÖNB ist dies z.B. der so genannte «Annolzyer», der es Forschenden erlaubt, sehr genaue Suchanfragen durchzuführen und Datensets, d.h. Sammlungen von interessierenden Zeitungsartikeln, zusammenzustellen, die anschliessend analysiert werden können. Bei der DNB kann man Abfragen via die gut dokumentierte API-Schnittstelle tätigen und Digitalisate und Volltexte herunterladen, um sie weiter zu durchforschen.
Zwei Vertreter aus dem in Lausanne beheimateten Forschungsprojekt «Impresso: Media Monitoring of the Past» zeigten schliesslich auf, auf welche Weise sie mit ihren Entwicklungen die wissenschaftliche Analyse von historischen Zeitungen und Radiobeiträgen unterstützen. Wer auf der Suche nach bedeutenden Themen ist, die in der Vergangenheit Aufsehen erregten, kann in der von «Impresso» bereitgestellten App gut fündig werden. In zwei öffentlichen Abendvorträgen stellten Data Scientists der Königlichen Bibliothek der Niederlande (Abendvortrag von Steven Claeyssens) und der Bibliothèque nationale de France (Abendvortrag von Lousie-Anne Charles) die digitalen Zeitungsangebote und innovativen Datenservices ihrer Einrichtungen für Forschende vor.
Die digitale Analyse von Zeitungen ist komplexer, als es auf den ersten Blick scheinen mag. Die Tools sind jedoch lernbar und der Aufwand lohnt sich. Die Teilnehmenden der Summer School waren jedenfalls begeistert und verliessen die ZB mit vielen neuen Forschungsfragen und dem methodischen Rüstzeug, diese zu beantworten.
PD Dr. Jesko Reiling
Abteilungsleiter Digitale Produktion und Plattformen
Dr. Stefan Wiederkehr
Chefbibliothekar Spezialsammlungen/Digitalisierung
Zeitungen werden auch auf ZOP publiziert
Die ZB ist sehr aktiv in der Digitalisierung von Zürcher Zeitungstiteln. Während sie Titel mit nationaler oder gar internationaler Reichweite wie etwa die NZZ oder den «Tages Anzeiger» für die nationale Zeitungsplattform e-newspaperarchives.ch digitalisiert, publiziert sie lokale Titel auf der «Zurich Open Plattform» (ZOP). Nach der bereits erfolgten Aufschaltung des «Seemer Boten» wird aktuell gerade die «Maurmer Post» für ZOP digitalisiert.
![Abhilfe gegen Hühneraugen im Wandel der Zeit: Haschisch (NZZ vom 17.1.1893, [Link]) … Abhilfe gegen Hühneraugen im Wandel der Zeit: Haschisch (NZZ vom 17.1.1893, [Link]) …](http://images.ctfassets.net/16nzcfqfbrqy/3qPob9ARzwXsEtxCJtsSnX/ae62d4151c344b6fac1c7da663f03b9c/Abb_2a_Haschisch_Rahmen.jpg)
![… oder moderne Technik (NZZ 13.9.1988, [Link])? … oder moderne Technik (NZZ 13.9.1988, [Link])?](http://images.ctfassets.net/16nzcfqfbrqy/42qOtpzs46NrvXmNqAhPtI/7ad585c5b62717819b7b5627835e9e8a/Abb_2b_maniquick_Rahmen.jpg)