Portrait

Die spannende Reise der Heather Wunderlin

Sie spricht zwei europäische und zwei asiatische Sprachen, häkelt, backt und spielt gerne Videospiele. Den Telefondienst mag sie nicht, dafür sonst alles an der ZB. Heather Wunderlin ist angehende wissenschaftliche Bibliothekarin und bringt erstaunlich viele Interessen unter einen Hut.

Heather Wunderlin in der Turicensia Lounge. (Bild: Christiane Schmid / ZB Zürich)

Wer mit ihr spricht, hört es: den sympathischen, englischen Akzent. Sie hat ihn von ihrer englischen «Mum». Heather Wunderlin (26) ist zweisprachig aufgewachsen, verfügt über einen Master-Abschluss in Anglistik und Japanologie und ist seit Juni 2025 wissenschaftliche Bibliothekarin in Ausbildung an der Zentralbibliothek Zürich (ZB). Ihr Interesse für Japanologie verankert sie in ihrer Zeit an der Kantonsschule. Damals begann sie sich für japanische Animationsfilme (Animes) zu begeistern. Später entdeckte sie in einem 5-wöchigen Sprachaufenthalt in Tokyo ihre Liebe für die japanische Sprache und Kultur. «Japanisch hat eigentlich drei Schriftsysteme, die kombiniert verwendet werden. Zwei sind ähnlich wie unsere alphabetische Schrift mit einer begrenzten Anzahl Zeichen. Das dritte ist das bildliche, chinesische Schriftsystem, das Tausende kombinierbare Schriftzeichen besitzt. Das fand ich sehr interessant und machte mir Spass zu lernen», erläutert sie.

Ihr Interesse für Japanologie verankert sie in ihrer Zeit an der Kantonsschule. Damals begann sie sich für japanische Animationsfilme zu begeistern.

In ihrer seit dem Start der Ausbildung abnehmenden Freizeit backt, häkelt und gamt Heather gerne. Im Konstruktionsspiel «Minecraft» baute sie mit einer Kollegin unter anderem einen grossen japanischen Tempel mit Pandas im Garten und zur Weihnachtszeit ein Lebkuchenhaus. In der realen Welt spielt sie seit über 15 Jahren Klavier. Ihr meistgespieltes Stück ist «One Summer's Day» von Joe Hisaishi aus dem japanischen Film «Chihiros Reise ins Zauberland». Heathers eigene Reise an der ZB wird mindestens zwei Jahre dauern und ist ein berufsbegleitendes Studium mit dem Titel Master of Advanced Studies (MAS) UZH in Bibliotheks- und Informationswissenschaft. Wer auf den Link klickt, erfährt mehr darüber.

Bibliotheken mag sie aus verschiedenen Gründen: Als Kind bedeuteten sie für Heather Zugang zu unendlichem Lesestoff. Als Erwachsene sieht sie eher das umfangreiche Wissen im Vordergrund, das Bibliotheken bewahren und bereitstellen. Sie selbst musste für ihr Studium öfters Literatur ausleihen und war fasziniert von historischen Dokumenten. Für ihre Abschlussarbeiten an der Universität Zürich analysierte sie alt- und mittelenglische Texte und verweilte dafür ab und zu an der ZB. «Es ist still, aber du bist von Leuten umgeben. Du arbeitest für dich und hast trotzdem eine Art sozialen Kontakt. Das finde ich schön», beschreibt sie ihre Lernaufenthalte an der ZB.

Sie ist glücklich, dass es mit dem MAS-Studium an ihrem Wunschort Zürich geklappt hat. Nun besucht sie alle paar Wochen eine andere Abteilung an der ZB und erhält einen einzigartigen Gesamteinblick in den Betrieb. Selbst ein Buch machen? In der Bestandserhaltung ist das möglich und Heather fand es faszinierend, die einzelnen Schritte dahin kennenzulernen. Bei der Abteilung Erwerbung und Datenmanagement lernte sie die Anschaffung und Verarbeitung verschiedenster Medien kennen, wobei ihr die Arbeit mit Zeitschriften und DVDs besonders Spass machten. Weniger zugesagt habe ihr der Telefondienst beim Kundenservice. Nur über den Hörsinn zu kommunizieren und zu erklären sei herausfordernd. Daher schätzt sie den direkten Kontakt mit den Kund*innen an der Infotheke umso mehr. Sie zieht eine durchgehend positive Bilanz über ihre bisherige Tour an der ZB und erwähnt weitere Abteilungen, die sie besucht hat: «Im Digitalisierungszentrum waren die verschiedenen Scan-Maschinen sehr spannend, beim Hausdienst erhielt ich einen Blick hinter die Kulissen und in der Bestandslogistik lernte ich, mich in den umfangreichen Magazinen der ZB zurechtzufinden.» Heather freut sich auf den Besuch weiterer Abteilungen. Neugierig ist sie insbesondere auf die Fachreferate (Liaison Librarians) und die Spezialsammlungen, wo sie besonders interessante, historische Werke vermutet.

Nach ihrer Reise wird sie in der Kartenabteilung der ZB mit japanischen Karten arbeiten können – eine Aufgabe, auf die sie sich jetzt schon freut.

Sind diese ständigen Abteilungs-Wechsel und das Lernen von Neuem nicht ermüdend? Doch, es sei ein strenges Programm, bestätigt Heather. «Ich bin zwar gut darin, viele Dinge unter einen Hut zu bringen, aber zwischendurch brauche ich Erholung. Diese finde ich auch in den regelmässigen Mittagessen mit meiner Co-Praktikantin Zoë Genhart», sagt sie. Für mehr Ruhe und Zeit im Privaten, zog sie kürzlich von einer WG in Winterthur zurück zu ihrer Familie nach Zürich.

Apropos «vieles unter einen Hut bringen»: Koreanisch ist eine weitere asiatische Sprache, die Heather am Lernen ist. Auch koreanische Musik (K-Pop) und Filme (K-Dramas) haben es ihr unterdessen angetan. Letztere enthalten gelegentlich Szenen, die in der Schweiz gedreht wurden – beispielsweise die Serie «Crash landing on you», wo ein Holzsteg in Iseltwald im Berner Oberland vorkommt.

Spannende Orte besucht auch Heather gerne. Im November plant sie ihre nächste Japan-Reise mit einer Freundin. Sie freut sich auf den «Momijigari», den japanischen Herbst, wenn die roten Blätter der zahlreichen Ahornbäume das Land schmücken. Nach ihrer Reise wird sie in der Kartenabteilung der ZB mit japanischen Karten arbeiten können – eine Aufgabe, auf die sie sich jetzt schon freut.

Aufgezeichnet von Bettina Deggeller
Mitarbeiterin Marketing und Kommunikation