Thema

«Die ZB als Kompass für den Umgang mit Wissen in der digitalen Welt»

Das erste Jahr der Strategieperiode 2021-2024

Das Jahr 2021 war das erste Jahr der neuen Strategieperiode der ZB Zürich. Ende 2020 hatte die Bibliothekskommission, der Stiftungsrat der ZB, die Strategie für die nächsten vier Jahre beschlossen, die von einer klaren Vision geleitet ist: «Die ZB als Kompass für den Umgang mit Wissen in der digitalen Welt». Diesem Ziel wollen wir uns durch die Weiterentwicklung unseres Angebots und neue Initiativen in drei Handlungsdimensionen annähern: der Stärkung der digitalen Kompetenzen der Nutzenden (das Schlagwort lautet hier «digital literacy»), der besseren Orientierung in der Informationsfülle und der Vereinfachung des Zugangs zu unseren Informationsangeboten (mit dem Stichwort «user experience») sowie dem Ausbau der Rolle der ZB als Partnerin der Forschung.

Im ersten Halbjahr 2021 wurden mehrere Initiativen lanciert, um die Grundlagen für konkrete Umsetzungsmassnahmen zu schaffen: So wurde eine breit gefasste Abklärung zu den Bedürfnissen unserer verschiedenen Zielgruppen im Feld der Digitalkompetenzen unternommen, um neue Angebote anforderungsgerecht zu gestalten und die Bereiche zu identifizieren, in denen die ZB einen Beitrag leisten sollte. Erste Überlegungen gehen etwa in Richtung von Weiterbildungsangeboten für erfolgreiches digitales Kommunizieren ausserhalb der klassischen wissenschaftlichen Publikationstätigkeit - etwa im beruflichen Umfeld - oder von interaktiv angelegten Vermittlungsformen zu «digital literacy» jenseits von Lehrtext und Schulungsvideo. Wichtig erscheint uns auch, dass unsere Kundinnen und Kunden unsere Angebote genau dann abrufen können, wenn ein Orientierungs- und Unterstützungsbedürfnis bei der Informationsorganisation auftritt («learning in the flow of work»).

Im Fokus User Experience geht es einerseits darum, die Bindung derjenigen, die bereits unsere Angebote nutzen, an die ZB zu stärken. Dazu wollen wir noch stärker auf konkrete Bedürfnisse eingehen - etwa bei der Auswahl der beschafften Literatur und Informationsmittel. Andererseits wollen wir neue Zielgruppen gewinnen, welche die Dienstleistungen der ZB bisher nicht oder nur eingeschränkt nutzen. Dafür wollen wir neue, einfach zu nutzende Zugänge zu unseren Angeboten öffnen und bekanntmachen. Unsere Aufmerksamkeit gilt dort u.a. der ortsunabhängigen digitalen Bereitstellung viel nachgefragter Inhalte für alle Kundengruppen (also nicht nur die Universitätsangehörigen) und dem Ausbau der Beteiligung der Nutzenden am Bestandsaufbau. Wir kümmern uns in dieser Strategiedimension aber nicht nur um die optimale Entwicklung, Zugänglichkeit und Auffindbarkeit unserer Sammlungen, sondern nehmen auch die Zukunft des physischen Raums der Bibliothek in den Blick. So arbeiten wir an einer Vision für die Weiterentwicklung unserer Publikumsflächen, welche den Wandel der Arbeits- und Studienformen im digitalen Kontext aufnimmt, aber auch die Erwartungen an einen Ort der Begegnung, der Kommunikation und der kulturellen Inspiration im Zentrum der Stadt erfüllt.

Bereits heute versteht sich die ZB als Partnerin der Forschung. Diese Rolle gewinnt derzeit in vielen Wissenschaftlichen Bibliotheken weiter an Bedeutung. Für uns stellt sich die Aufgabe in doppelter Hinsicht: Wir bauen die Kooperation mit der Universitätsbibliothek der UZH im Bereich der Unterstützungsleistungen für Forschende der Universität aus. Dazu engagieren sich mehr Mitarbeitende der ZB in dem ab 2022 gemeinsam verantworteten Team für Open Science-Services. Zugleich positionieren wir die ZB generell als Partnerin für Forschungsprojekte, für die unsere Sammlungen den Ausgangspunkt bilden. Solche Projekte können an verschiedenen Institutionen im In- und Ausland beheimatet sein. In diesen Kontext gehört auch der Aufbau eines Citizen Science-Projektclusters und der zugehörigen Community. Um für den Ausbau unserer Forschungspartnerschaften eine solide Ausgangsbasis zu schaffen, hat unser Koordinationsteam Open Access/Open Scienceeine Studie zu bereits vorhandenen oder geplanten Forschungsservices der ZB durchgeführt und dabei auch das Angebot verwandter Einrichtungen verglichen. Das ZBLab hat eine Interviewreihe initiiert, in der wir Nachwuchsforschende nach ihrem Umgang mit digitalen Quellen und Daten fragen. Wir erhoffen uns davon einen Einblick in die genutzten Methoden und Werkzeuge in den jeweiligen Forschungsgebieten, woraus wir ein genaueres Bild der Bedürfnisse der kommenden Forschergeneration gewinnen werden.

Das erste Jahr unserer neuen Strategieperiode war somit davon bestimmt, die Inhalte der Strategie zu konkretisieren und die Grundlagen für die Umsetzungsschritte der Jahre 2022-2024 zu schaffen. Dazu haben wir uns des Instruments der «Strategy Map» bedient, in der die strategischen Ziele in verschiedene Dimensionen wie die Kundenperspektive, die Auswirkungen auf betriebliche Prozesse und Strukturen oder die internen Entwicklungs- und Kompetenzanforderungen übersetzt wurden. In einer «Balanced Scorecard» haben wir Messgrössen und Zielwerte für alle Handlungsfelder festgelegt. Mit den vertiefenden Analysen und Potenzialstudien konnten wir die Basis für eine fundierte und bedarfsgerechte Umsetzungsplanung schaffen, die wir in den vor uns liegenden Jahren verwirklichen wollen. Dabei gilt: Alle Mitarbeitenden werden dazu beitragen, die Strategie 2021-2024 der ZB lebendig und greifbar werden zu lassen, damit die Vision zu einem Ziel wird, das uns gemeinsam Orientierung gibt und uns miteinander weiterbringt – zum Wohl unserer Nutzerinnen und Nutzer.

Dr. Christian Oesterheld
Direktor Zentralbibliothek Zürich